"Alt werden in gewohnter Umgebung"
Wolfertschwenden (jw): Immer mehr Kommunen interessieren sich für das zunehmend stärker in den Fokus rückende Thema der Umsetzung eines seniorenpolitischen Gesamtkonzeptes mit den Anforderungen der demografischen Entwicklung. In vielen Bereichen werden zur Zeit Modelle und Pilotprojekte entwickelt. Als Kommune, die unter Federführung ihres Bürgermeisters ein erfolgreiches Konzept entwickelt hat, wie ältere Menschen länger im Dorf bleiben können, gilt Eichstetten am Kaiserstuhl. Auf Einladung des CSU-Landtagsabgeordneten Klaus Holetschek, Mitglied des Ausschusses für Gesundheit und Pflege in Zusammenarbeit mit Hubert Plepla, Koordinator des Seniorenkonzept beim Landratsamt Unterallgäu, sprach nun Eichstettens Bürgermeister Michael Bruder auf einer Informationsveranstaltung in Wolfertschwenden über das hochaktuelle Thema und die erfolgreiche Umsetzung des Konzeptes in seiner Heimatgemeinde.
MdL Klaus Holetschek (links) und Referent Bürgermeister Michael Bruder aus Eichstetten. Foto: J. Wiest"Das Thema Pflege und die demografische Entwicklung sind zentrale Herausforderungen für die Zukunft unserer Gesellschaft", so MdL Holetschek zum Auftakt der gut besuchten Veranstaltung an der neben zahlreichen Bürgermeistern und Seniorenbeiräten auch viele sozialpolitisch interessierte Bürger teilnahmen. Der soziale Zusammenhalt und das Miteinander in unserer Gesellschaft sei der Kitt für eine intakte Gesellschaft, so Holetschek weiter. "Es ist eine große Herausforderung wie wir mit dem Thema künftig umgehen. In einem "Pflegegipfel" werden wir noch in diesem Jahr darüber weiter diskutieren". Unter dem Titel "Leben und Wohnen" erarbeiten gerade Wolfertschwenden, Erkheim und Mindelheim eine altersgerechte Quartiersgestaltung, so Plepla, Koordinator des Seniorenkonzeptes im Landratsamt Unterallgäu. Die Altersgruppe 65 Plus nehme auch im Unterallgäu die nächsten Jahre verstärkt zu und erfordere gut durchdachte Maßnahmen um der älteren Generation ein menschenwürdiges Leben gewährleisten zu können. Ältere Mitbürger möchten am liebsten für immer in ihrer gewohnten Umgebung bleiben und in ihrem angestammten Zuhause auch noch die letzten Jahre verbringen. Wolfertschwendens Bürgermeister Karl Fleschhut unterstrich in seinem Grußwort: "Dieses Thema geht uns alle an und ist nicht nur im Unterallgäu relevant. Wir müssen neue Wege gehen und neue Konzepte entwickeln um auch in Zukunft unsere Kommunalen Aufgaben erfüllen zu können".
Michael Bruder, Hauptreferent der Veranstaltung, informierte in seinem Vortrag über die bisher gemachten positiven Erfahrungen in Eichstetten mit der Einrichtung von Wohngruppen über die Bürgergemeinschaft. Die Grundidee dieser "Bürgergemeinschaft Eichstetten und Schwanenhof" laute: Das Dorf übernimmt den Generationenvertrag mit den Kernaufgaben: "Alt werden in gewohnter Umgebung". Dabei konzentriere sich die Bürgergemeinschaft auf sechs Themenbereiche: Betreutes Wohnen im "Schwanenhof", die Nachbarschaftshilfe bei der Hauswirtschaft, inklusive Einkaufen, einer Tagesgruppe für die Betreuung der Bewohner mit beispielsweise selbstgekochtem Essen, einer Pflegewohngruppe im "Adlergarten", einer Kernzeitbetreuung von Kindern und einer weiteren Säule Bürgertreff die mit der Planung und Durchführung von Veranstaltungen sich beschäftige. Auch das "Cafe Mitnander" im "Schwanenhof" in der das gesellige Leben organisiert werde, gehöre dazu. Wie dies alles, mit wieviel Personal und welcher Qualifikation, organisiert wird, ehrenamtlich oder mit festen Arbeitsverhältnissen stand ebenso im Mittelpunkt des Vortrages. An den einzelnen Fragen in der anschließenden Diskussion war erkennbar, wie wichtig das Thema "Seniorenpolitisches Gesamtkonzept" und dessen professionelle Umsetzung den Vertretern der Kommunen mittlerweile ist. Dabei war für MdL Holetschek wichtig, auszuloten wie sich die EU mit Fördermittel an diesem zukunftsbezogenen europaweiten Thema beteiligen könnte.