Aktuelles

Zur Übersicht | Drucken

19.11.2013 | MainPost, Autor: Gerhard Fischer.

Betriebskapital Gesundheit

Bayerischer Bädertag in Bad Königshofen auf der Suche nach neuen Geschäftsfeldern

Neue Wege gehen mit dem Start der neuen Legislaturperiode in Bayern, das hat sich der Bayerische Heilbäderverband auf die Fahnen geschrieben. Am Montag eröffnete die Interessenvertretung von mehr als 60 Heilbädern und Kurorten im Freistaat ihre Jahrestagung in Bad Königshofen. Klaus Holetschek, Vorsitzender des Heilbäderverbands und CSU-Landtagsabgeordneter für den Wahlkreis Memmingen, sprach die Bedeutung der Gesundheitsbranche „in der Leit-Ökonomie Tourismus“ an. Der Heilbäderverband verspreche sich viel davon, dass die Tourismusförderung nun direkt dem Wirtschaftsministerium unterstellt sei. Davon müsse aber auch das Heilbäderwesen in Bayern profitieren. Immerhin gehe es um rund 100 000 direkte Arbeitsplätze.



Der Vorsitzende des Bayerischen Heilbäderverbandes e. V., MdL Klaus Holetschek, bei seiner Rede anlässlich des 67. Bayerischen Heilbädertages in Bad Königshofen.

Mit Ministerialdirektor Hans Schleicher hatten die Bäder-Vertreter einen Fürsprecher nach Königshofen geladen. Der Amtschef des Staatsministeriums für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie hatte zehn Botschaften mit im Gepäck. „Tourismus und damit auch die Gesundheitsbranche bleibt Chefsache, darum wurde die Koordinierung der Tourismusförderung komplett ins Wirtschaftsministerium verlagert“, so Schleicher.

Differenziert betrachten

„Eine Heilbad- ist keine Spaßbadförderung“, machte Schleicher einen weiteren Punkt deutlich. Über die Bundesregierung werde der Freistaat darauf drängen, dass man sich Förderungen für Heilbäder-Investitionen nicht von der EU-Verwaltung „aus der Hand schlagen lasse“.

Angebote eines Bewegungsbades zum Beispiel seien Teil der Rehabilitation. Außerdem dürfe es nicht sein, dass Mischnutzung, zum Beispiel Spielangebote in einem Thermalbad, die Förderung eines solchen Bades verhindert. „Das muss differenziert betrachtet werden.“

Unterstützung versprach Schleicher auch beim Vorantreiben digitaler Angebote auf dem Gesundheitssektor. So gebe es bereits das Großprojekt eines digitalen „Gesundheitsfinders“, in dem online für die eigenen Beschwerden ein passendes Gesundheitsangebot ausgesucht werden kann. Mit dieser Verbindung von Tradition und Moderne habe Bayern als Gesundheitsstandort international reüssiert. „Es gibt aber nicht mehr nur Laptop und Lederhosen, es gibt auch Apps and Alps“, so Schleicher. Der Stellenwert der Gesundheitsbranche werde auch an Forschungsprojekten wie dem Medical Valley in Nürnberg.

Schwerpunktthema der öffentlichen Mitgliederversammlung am Montag im Kursaal der Frankentherme war die betriebliche Gesundheitsvorsorge. Professor Günter Neubauer vom Institut für Gesundheitsökonomik München legte dar, wie der demografische Wandel und ein verstärkter Fachkräftemangel zu Problemen führen, die zum Beispiel durch betrieblich unterstützte Prävention und Rehabilitation gemindert werden können.

„Wenn sich der Betrieb an der Gesundheitsvorsorge beteiligt, macht das den Job attraktiv“, so Neubauer. Auf der anderen Seite könne mit gesünderen Mitarbeitern zum Beispiel das mit zunehmendem Alter steigende Produktivitätsgefälle ausgeglichen werden.

Die Bäderwirtschaft schaffe Arbeitsplätze im ländlichen Raum und wirke so der Binnenwanderung entgegen. Heilbäder können durch eine Stärkung von Psyche und Physis eine Alternative zur rein medikamentösen Behandlung mit ungewissen Wechselwirkungsprozessen sein. „Letztlich geht es darum, dass Deutschland die Gesundheitsvorsorge und die Arbeitswelt umgestalten muss“, so Neubauer.

Praktische Beispiele dieser Kooperation zwischen Betrieben und Gesundheitsanbietern nannte Dr. Antje Geier vom Rehabilitations- un d Präventionszentrum in Bad Bocklet, wo man sich auch auf solche Kooperationen spezialisiert hat. Auch Rhön-Grabfelds Landrat Thomas Habermann, der die Grüße seines Bad Kissinger Kollegen Thomas Bold mitbrachte, hatte ein Beispiel dafür parat, weil die Bad Neustädter Landratsbehörde bereits Gesundheitsprogramme der Physikalischen Abteilung des Kreiskrankenhauses für ihre Mitarbeiter nutzt. Über die Ausrichtung des Heilbädertages freuten sich schließlich Bad Königshofens Bürgermeister Thomas Helbling und der Landtagsabgeordnete Steffen Vogel gleichermaßen.